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Titel

vier minus drei - das Hörbuch zum SPIEGEL-Bestseller

Katalog Nr.

SM 169

Veröffentlichung

09.04.2012





Produktbeschreibung

Am 19. März 2008 war die Welt noch in Ordnung. Ich war Ehefrau, Mama zweier kleiner Kinder, Clown von Beruf. Meine Mutter hatte Geburtstag, an diesem 19. März, genau wie meine Freundin Anna. Ein guter Tag, ein fröhlicher Tag. Einen Tag später war ich Witwe. Kurz darauf: Verwaiste Mutter. Vier minus drei, das war ich.
„Wie kann man so etwas schaffen?“
Ich glaube, keine andere Frage wurde mir in den vergangenen drei Jahren so oft gestellt. Anfangs fiel es mir schwer, eine Antwort zu finden. Habe ich überhaupt etwas geschafft? Dass ich am Leben geblieben bin, weil ich nicht in jenem Auto saß, das am Gründonnerstag 2008 mit einem Zug kollidierte, lag ja nicht an mir. Es muss höhere Macht gewesen sein. Oder Zufall. Oder beides zugleich.
Was also gab es zu schaffen? Den nächsten Atemzug? Ja, oft war er meine größte, meine einzige Leistung.
Den nächsten Schritt? Oh, den habe ich wahrlich nicht immer freiwillig gemacht. Das Leben musste gehörig an mir zerren, ja, es musste sogar ab und zu ein bisschen zaubern. Sonst würde ich vielleicht heute noch in meinem Bett liegen, mit einer Daunendecke über dem Kopf.
Das Leben selbst kann man nicht schaffen. Es gibt keinen Gipfel, an dem die Wanderung zu Ende ist, und die karierte Zielflagge wird uns erst dann zuwinken, wenn wir das Streben, die Anstrengung und die Hoffnung auf einen Etappensieg endgültig hinter uns lassen.
Und doch: Ich lebe. Ich liebe. Ich lache sogar wieder. Ich traue mich zu sagen, dass es mir gut geht. Manchmal sogar richtig gut. Wie ist das passiert?
Ich kann es mir nur so erklären: Irgendwann – wenn ich ehrlich bin, schon wenige Tage nach dem Unfalltod meiner Familie, habe ich begriffen, dass man da, wo es nichts mehr zu schaffen gibt, immer noch eine Wahl hat. Die Wahl, diese oder jene Realität zu erschaffen. Jeder Tag, jede Minute unseres Lebens gibt uns neuerlich die Gelegenheit, zu erschaffen, zu gestalten, zu wählen.
Ich habe mich entschieden, die Geschichte vom Tod meiner drei Liebsten nicht als Tragödie zu erzählen. Ich habe mir eine Realität erschaffen, in der der Tod einen Platz hat als jemand, der uns nichts Böses will. Die Welt, die ich gewählt habe, hat mir viel genommen, aber sie vergisst auch nicht darauf, mich mit neuen Geschenken zu versorgen. Ich habe mir eine Welt erschaffen, in der die Liebe eine wichtige Rolle spielt. In der es das Unsichtbare, unfassbare ebenso gibt wie das, was man sehen kann. Es muss nicht immer schwer sein, etwas zu schaffen.
Trotzdem war mein Weg nicht immer einfach. Denn ich musste einsehen, dass selbst die schönste, selbst gewählte Welt auf einen ganz bestimmten Menschen nicht verzichten konnte, und das war ich selbst. Schritt für Schritt musste ich lernen, auch mich selbst neu zu erschaffen.
Sich verändern, das heißt: Abschied nehmen. Trauern, um all das, was nicht mehr möglich ist. Und auch um das, was ich gerne gelebt hätte, aber nun nicht mehr nachholen konnte. Es heißt, den Blick pendeln zu lassen zwischen hinten und vorne, gestern und morgen. Manchmal wird einem dabei ganz schön schwindlig. Zwischendurch kommt man ins Taumeln, verliert die Orientierung und fällt auf die Nase.
Die Barbara, die ich mir erschaffen habe, weiß, dass das Fallen genau so zum Leben gehört wie das Aufstehen. Sie erlaubt sich zu weinen, wenn der Sturz wehgetan hat. Manchmal schreit sie auch so laut sie kann.
Ich habe nichts geschafft, noch lange nicht. Ich übe weiter. Lasse die Welt in mich hinein und durch mich hindurch. Mitunter kommt sie anders aus mir heraus, als sie vorher war. Heller, fröhlicher, von Dankbarkeit erfüllt. Das sind die Momente, in denen ich richtig gern am Leben bin. Nicht trotzdem. Sondern gerade deshalb, weil.

Tracklist


4 CDs - 79 Tracks - ca. 272 Minuten

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